Historische Person · NS-Opfer · Hagen (Westfalen)

Simson Cohen

Simson Cohen war ein jüdischer Kaufmann und Gastronom aus Hagen (Westfalen). Er ist der Schwiegervater von Arthur Levy und die zentrale historische Figur hinter dem Rechtsstreit um Konto Nr. 4409 bei der Sparkasse an Volme und Ruhr.

Faktenbox – Simson Cohen

Person:
Simson Cohen – jüdischer Kaufmann, Gastronom, Hagen (Westfalen)
Liegenschaft:
Hoher Graben 2, Hagen (heute: Volme Haus, NRW)
Tochter:
Erna Cohen, spätere Erna Cohen-Levy
Hochzeit der Tochter:
11. März 1932 – Erna Cohen heiratet Arthur Levy in Hagen
Mitgift 1932:
Konto Nr. 4409, Sparkasse an Volme und Ruhr, Hagen
Bankdepot:
Wertschriftendepot bei der Sparkasse Hagen (ebenfalls enteignet)
Überfall:
SA-Überfall auf Hoher Graben 2 in den 1930ern – brutal misshandelt
Flucht:
In die Schweiz (Bern)
Tod:
In der Schweiz – an Folgen der Misshandlungen
Belege:
Schweizerisches Bundesarchiv Bern (entdeckt November 2019)

Biografie und historischer Kontext

Simson Cohen war ein jüdischer Kaufmann und Gastronom in Hagen (Westfalen). Er betrieb an der Adresse Hoher Graben 2 ein Ensemble aus Wohnhaus, Gaststätte und Schlachterei. Das Gebäude existiert heute noch – es ist als Volme Haus bekannt.

Am 11. März 1932 heiratete seine Tochter Erna Cohen den Schweizer Staatsb ürger jüdischer Herkunft Arthur Levy. Anlässlich dieser Eheschließung überwies Simson Cohen eine Mitgift (Heiratsgut) auf das Konto Nr. 4409 bei der Sparkasse an Volme und Ruhr (damals: Sparkasse Hagen). Simson Cohen verfügte darüber hinaus über ein eigenes Konto und ein Wertschriftendepot bei der Sparkasse Hagen.

NS-Verfolgung und gewaltsame Übergriffe

In den 1930er Jahren wurde Simson Cohen Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. SA-Schergen überfielen seine Liegenschaft am Hohen Graben 2 in Hagen:

  • Möbel und Einrichtung wurden demoliert
  • Das Klavier wurde in die Volme geworfen
  • Der Hund wurde erschossen
  • Simson Cohen selbst wurde brutal zusammengeschlagen

Infolge dieses Überfalls und der andauernden Verfolgung floh Simson Cohen mit seiner Familie in die Schweiz (Bern). Er verstarb dort an den Folgen der erlittenen Misshandlungen.

Enteignung von Liegenschaft und Bankguthaben

Die Liegenschaft am Hohen Graben 2 wurde in der NS-Zeit von der Stadt Hagen enteignet und über Strohmänner an Privatpersonen verkauft.

Sowohl das Bankguthaben auf dem Konto von Simson Cohen als auch sein Wertschriftendepot bei der Sparkasse Hagen wurden im Zuge der NS-Vermögensentziehungspolitik eingefroren. Keines dieser Vermögen wurde nach 1945 vollständig restituiert.

Nachkriegsverhandlungen und ungeklärte Ansprüche

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahm das Entschädigungsamt der Stadt Hagen Verhandlungen mit den Erben von Simson Cohen auf. Die Erben wurden dabei durch die Jüdische Gemeinde Dortmund vertreten. Ein rechtsgültiger Vergleich zur enteigneten Liegenschaft kam jedoch nicht zustande: Die erforderliche schriftliche Zustimmung der Stadtvertretung Hagen liegt bis heute nicht vor.

Der in der Schweiz lebende Nachfahre von Simson Cohen bereitet nach eigenen Angaben eine Auskunftsklage vor, um die Existenz dieser schriftlichen Zustimmung zu klären.

Aktuelle Entwicklungen (2025/2026)

Am 29. Januar 2026 wandte sich der Nachfahre von Simson Cohen schriftlich an den Oberbürgermeister der Stadt Hagen, Dennis Rehbein. Der Oberbürgermeister antwortete am 12. Februar 2026 und erklärte, er könne sich als Anteilseigner der öffentlich-rechtlichen Sparkasse an Volme und Ruhr nicht zu einem laufenden Rechtsverfahren äußern.

Am 11. Februar 2026 wurde eine Beschwerde bei der European Banking Authority (EBA) eingereicht – wegen mutmaßlicher Verletzung unionsrechtlicher Aufsichtspflichten durch die BaFin und Untätigkeit des Bundesministeriums der Finanzen.

Beteiligte Institutionen

Liegenschaft
Hoher Graben 2, Hagen – Wohnhaus, Gaststätte, Schlachterei (heute: Volme Haus)
Sparkasse (Konto)
Sparkasse an Volme und Ruhr, Hagen – Konto Nr. 4409
Sparkasse (Depot)
Sparkasse Hagen – Wertschriftendepot (ebenfalls enteignet)
Entschädigungsamt
Stadt Hagen – Nachkriegsverhandlungen ohne rechtsgültigen Vergleich
Jüdische Gemeinde
Jüdische Gemeinde Dortmund (Vertretung der Erben nach 1945)

Chronologie – Simson Cohen

ca. 1880er

Geburt von Simson Cohen – Kaufmann und Gastronom, Hagen (Westfalen)

vor 1930

Liegenschaft mit Wohnhaus, Gaststätte und Schlachterei: Hoher Graben 2, Hagen

11. März 1932

Hochzeit der Tochter Erna Cohen mit Arthur Levy in Hagen – Mitgift auf Konto 4409, Sparkasse an Volme und Ruhr

1930er

SA-Überfall auf die Liegenschaft am Hohen Graben 2: Möbel demoliert, Klavier in die Volme geworfen, Hund erschossen, Simson Cohen brutal zusammengeschlagen

ca. 1933–1938

Flucht von Simson Cohen und Familie in die Schweiz (Bern)

nach der Flucht

Tod von Simson Cohen in Bern – an Folgen der Misshandlungen durch SA-Schergen

1933–1945

Liegenschaft Hoher Graben 2 durch die Stadt Hagen enteignet und über Strohmänner an Private verkauft

1933–1945

Bankguthaben und Wertschriftendepot von Simson Cohen bei der Sparkasse Hagen eingefroren und enteignet

nach 1945

Entschädigungsamt der Stadt Hagen führt Verhandlungen mit den Erben – vertreten durch die Jüdische Gemeinde Dortmund

nach 1945

Kein rechtsgültiger Vergleich zur Liegenschaft: schriftliche Zustimmung der Stadtvertretung Hagen fehlt bis heute

Nov. 2019

Nachfahre entdeckt im Schweizerischen Bundesarchiv Bern Belege zur Mitgift 1932 (Konto 4409)

Feb. 2021

Formelle Anfrage an die Sparkasse Hagen – widersprüchliche Auskunft

7. Mai 2025

OLG Hamm (I-31 U 10/24) weist Berufung ab

17. Feb. 2026

Oberbürgermeister Hagen (Dennis Rehbein) lehnt Stellungnahme ab

11. Feb. 2026

EBA-Beschwerde (European Banking Authority) wegen BaFin-Untätigkeit