Biografie und historischer Kontext
Simson Cohen war ein jüdischer Kaufmann und Gastronom in Hagen (Westfalen). Er betrieb an der Adresse Hoher Graben 2 ein Ensemble aus Wohnhaus, Gaststätte und Schlachterei. Das Gebäude existiert heute noch – es ist als Volme Haus bekannt.
Am 11. März 1932 heiratete seine Tochter Erna Cohen den Schweizer Staatsb ürger jüdischer Herkunft Arthur Levy. Anlässlich dieser Eheschließung überwies Simson Cohen eine Mitgift (Heiratsgut) auf das Konto Nr. 4409 bei der Sparkasse an Volme und Ruhr (damals: Sparkasse Hagen). Simson Cohen verfügte darüber hinaus über ein eigenes Konto und ein Wertschriftendepot bei der Sparkasse Hagen.
NS-Verfolgung und gewaltsame Übergriffe
In den 1930er Jahren wurde Simson Cohen Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. SA-Schergen überfielen seine Liegenschaft am Hohen Graben 2 in Hagen:
- Möbel und Einrichtung wurden demoliert
- Das Klavier wurde in die Volme geworfen
- Der Hund wurde erschossen
- Simson Cohen selbst wurde brutal zusammengeschlagen
Infolge dieses Überfalls und der andauernden Verfolgung floh Simson Cohen mit seiner Familie in die Schweiz (Bern). Er verstarb dort an den Folgen der erlittenen Misshandlungen.
Enteignung von Liegenschaft und Bankguthaben
Die Liegenschaft am Hohen Graben 2 wurde in der NS-Zeit von der Stadt Hagen enteignet und über Strohmänner an Privatpersonen verkauft.
Sowohl das Bankguthaben auf dem Konto von Simson Cohen als auch sein Wertschriftendepot bei der Sparkasse Hagen wurden im Zuge der NS-Vermögensentziehungspolitik eingefroren. Keines dieser Vermögen wurde nach 1945 vollständig restituiert.
Nachkriegsverhandlungen und ungeklärte Ansprüche
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahm das Entschädigungsamt der Stadt Hagen Verhandlungen mit den Erben von Simson Cohen auf. Die Erben wurden dabei durch die Jüdische Gemeinde Dortmund vertreten. Ein rechtsgültiger Vergleich zur enteigneten Liegenschaft kam jedoch nicht zustande: Die erforderliche schriftliche Zustimmung der Stadtvertretung Hagen liegt bis heute nicht vor.
Der in der Schweiz lebende Nachfahre von Simson Cohen bereitet nach eigenen Angaben eine Auskunftsklage vor, um die Existenz dieser schriftlichen Zustimmung zu klären.
Aktuelle Entwicklungen (2025/2026)
Am 29. Januar 2026 wandte sich der Nachfahre von Simson Cohen schriftlich an den Oberbürgermeister der Stadt Hagen, Dennis Rehbein. Der Oberbürgermeister antwortete am 12. Februar 2026 und erklärte, er könne sich als Anteilseigner der öffentlich-rechtlichen Sparkasse an Volme und Ruhr nicht zu einem laufenden Rechtsverfahren äußern.
Am 11. Februar 2026 wurde eine Beschwerde bei der European Banking Authority (EBA) eingereicht – wegen mutmaßlicher Verletzung unionsrechtlicher Aufsichtspflichten durch die BaFin und Untätigkeit des Bundesministeriums der Finanzen.